Vorträge

(1) Automation - die Abschaffung der Sklaverei?

Aristoteles hat mit Erstaunen festgestellt, dass die Götter keine Sklaven haben. Der Grund dafür liegt darin, dass sie Dinge besitzen, die sich selbst bewegen und „auf erhaltenen oder erratenen Befehl hin Arbeiten ausführen können“ (Politik 1080b). Er nannte diese Dinge „Automatoi“ und wagte die Vorhersage: „Wenn es den Menschen gelingt, solche Automaten zu erzeugen, dann bedarf es für die Herren nicht mehr der Sklaven“.

Sklaverei kann man auf zweierlei Arten abschaffen: entweder man schafft die Sklaven ab und macht alle zu Herren (Göttern) oder man schafft die Herren ab und macht alle zu „Arbeitern“. Dabei hat sich allerdings herausgestellt, dass sich Könige und Rangordnungen wieder reetablieren.

„Götter“ sind nach Aristoteles Wesen, die aus sich selbst heraus entscheiden. „Ens a se“, hieß Gott im Mittelalter. Aristoteles Wort „Auctoritas“ bedeutet Urheberschaft. Autorität hat also jemand, der für sich selbst entscheiden kann und nicht andere braucht um zu wissen was gut und richtig ist.

Aristoteles ist insofern ein vorchristlicher Kirchenvater, als er die später im Christentum behauptete Einheit von Gott und Mensch – das erste Mal aufgetreten bei Jesus von Nazareth – für den Fall prophezeite, dass es den Menschen gelingt, mit Hilfe der Automation nicht mehr menschliche Sklaven halten zu müssen.

Um dies zu realisieren, wird allerdings ein größerer Umbau des gesellschaftlichen Kommunikationssystems notwendig sein. Wie macht man aus Menschen Götter? Die Hierarchie wird zu vernetzten Systemen weiterentwickelt... Die strikte Reglementierung der Raum-Zeitstruktur muss abgebaut werden. Lernen und Arbeiten müssen sich abwechseln usw. Ob das Leben dann einfacher sein wird?

(2) Fremd in der Fremde - Cross-Cultural Probleme

Für alle Manager oder sonstigen Europäer, die in anderen Kulturkreisen arbeiten müssen, erweist es sich als notwendig, die Grundlagen unseres Weltbildes zu reflektieren und zu untersuchen, wie weit sie sich von anderen Weltbildern unterscheiden.

Hier werden dann Zusammenhänge entwickelt, dass immer eine bestimmte Form ökonomischen Handelns auch ein bestimmtes Normensystem verlangt. Ergeben sich Widersprüche zwischen dem Normensystem und der jeweiligen Art das Überleben zu organisieren, dann gibt es sowohl in unserem als auch in anderen Weltbildern Probleme.

Speziell Natur-Weltbilder, afrikanische Weltbilder, aber auch asiatische Weltbilder, wie das chinesische oder japanische, werden hier in ihrer Unterschiedlichkeit zu Europa behandelt.

Besonders interessant ist dieses Thema für international arbeitende Manager.

Der wesentliche Unterschied – so lautet meine These – liegt nicht im Bereich unterschiedlicher oder gegensätzlicher Normen (in der christlichen Kirche nimmt man den Hut ab, in einer jüdischen Synagoge bedeckt man sein Haupt), sondern im Bereich unterschiedlicher Denksysteme. Die Denksysteme sind aber eine Folge der gesellschaftlichen Ordnung. Wer in einer totemistischen Gesellschaft lebt, in der alles nach Verwandtschaftsgraden geordnet ist, wird zum Himmel blicken und sagen: „Sonne, Mond und Sterne, das sind Vater, Mutter, Kinder, man sieht es ja.“

Viele Missverständnisse und Konflikte lassen sich vermeiden, wenn man die Hintergründe kennt.

(3) Wie motiviert man Mitarbeiter? - Gedanken zum Autoritätsproblem

Was Autorität eigentlich ist, warum und wie man sie bekommt, wie man sie wieder verliert, warum man sie hat oder nicht hat, ist ein altes Thema der Sozialwissenschaften.

Lange Zeit meinte man, Autorität sei eine angeborene Eigenschaft. In unserem Jahrhundert erkannte man, dass Autorität nur von der Gruppe her, der gegenüber man Autorität hat, definiert werden kann. Autorität ist das Wahrnehmen von notwendigen Funktionen. Je wichtigere Funktionen jemand wahrnimmt, desto mehr Autorität hat er; je unwichtigere er wahrnimmt, desto weniger Autorität hat er.

Der Sinn der Autorität ist somit ein doppelter. Einerseits ist sie notwendig um Ordnung herzustellen, die ich brauche seitens eines Vorgesetzten, Lehrers, Vaters etc. – ich muss immer diejenigen Funktionen wahrnehmen, die der betreffende Untergebene, Schüler, Jugendliche oder Kind nicht selbst wahrnehmen kann. Andererseits hat die Autorität aber auch den Sinn, jemanden dazu zu bringen, diese Funktionen selbst wahrnehmen zu können. Das heißt letzten Endes: sich überflüssig zu machen.

Wir können feststellen, dass Autoritätssituationen, in denen jemand auf seiner Autorität beharrt und andere an der Entwicklung hindert, als autoritäres Verhalten immer mehr ins Hintertreffen kommen und zu einer Demotivation der Mitarbeiter führen. andererseits aber werden die Mitarbeiter sehr stark motiviert, wenn man sie Funktionen übernehmen lässt, an denen sie selbst reifen und wachsen.

Immer wenn der Vorgesetzte weniger Autorität wahrnimmt als seine Mitarbeiter dies bräuchten, kommt es zu chaotischen Situationen. Immer, wenn der Vorgesetzte versucht, mehr Autoritätsfunktionen wahrzunehmen als seine Mitarbeiter wollen, kommt es zu Autoritätskonflikten. Die Kunst des Führens besteht darin, die Autorität, die man wahrnimmt, so zu dosieren, dass das Funktionieren der Gruppe gewährleistet ist.

Die Handhabung von Autoritätssituationen gehört ebenfalls zum Standardrepertoire von Führungskräften. Dabei wird es in Zukunft immer mehr darum gehen, anstelle von Entscheidungen durch die Autorität das Steuern von Gruppenentwicklungen einzusetzen. Für die Reifeentwicklung von Gruppen und für die Motivation der Mitarbeiter sind Autoritätsfunktionen ein wesentliches Element.

Literatur:    Schwarz, „Die Heilige Ordnung der Männer“, VS Verlag, 2007, 5.Auflage
Pesendorfer/Schwarz, „Denkstoffe“, Eigenverlag, 1997

(4) DER MENSCH IN ABHÄNGIGKEIT – wie funktioniert das?

In den hierarchischen Systemen wird oft das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern analog dem Verhältnis von Eltern und Kindern gedacht.

Damit lässt sich zwar relativ leicht ein Ordnungsprinzip herstellen. Der Nachteil dieses Prinzips besteht jedoch darin, dass bei Kindern normalerweise eine Reifeentwicklung stattfindet, von der Abhängigkeit über eine Konfliktsituation, die man Gegenabhängigkeit nennt, zur Interdependenz. Diese Konfliktsituation oder Konterdependenz ist ein notwendiger Konflikt, weil er zur Identitätsfindung des Menschen führt. Solange meine Entscheidungen immer identisch sind mit den Entscheidungen des Vaters, der Mutter oder einer Autorität, solange weiß ich nicht, ob ich überhaupt selber entscheiden kann. Die Möglichkeit draufzukommen selber entscheiden zu können, wird mir erst dadurch gegeben, dass ich irgendwann einmal oder öfters eine Entscheidung gegen den Willen der Autorität treffe. Nur wer „nein“ sagt, kann sich seines „ja’s“ sicher sein.

Dieses Prinzip, auch unter dem Namen „Sündenfall“ oder „Peccatum originale“ in unserer Tradition diskutiert, findet sich in der Reifeentwicklung jedes Menschen, aber auch in der von Gruppen und Organisationen.

Angewandt auf das hierarchische System heißt dies aber, dass im klassischen System nur die Dependenzsituation, die Abhängigkeit der Mitarbeiter vom Vorgesetzten, sinnvoll ist, dass in der Weiterentwicklung der hierarchischen Systeme aber ein freies Verhältnis auch von Vorgesetzten und Untergebenen möglich sein müsste, in dem auch die Aspekte der Kritik zu ihrem Recht kommen. Wenn nicht kritisiert werden darf, weiß der Vorgesetzte nie, ob die Mitarbeiter ihm Recht geben, weil er Recht hat oder ob sie ihm recht geben, weil das System dies vorschreibt.

Die Einsicht in die Struktur von Dependenz, Konterdependenz und Interdependenz gehört zum Handwerkszeug jeder Führungskraft, weil man bei Konflikten immer unterscheiden können muss, ob es sich um einen Identitätskonflikt handelt, der nur anhand einer bestimmten Sache ausgetragen wird, oder ob die Sache in sich selbst kontrovers ist, weil etwa die beiden Konfliktpartner unterschiedliche Interessen, unterschiedliche Dimensionen ein und desselben Problems repräsentieren. Je nachdem, ob es sich hier etwa um einen Konkurrenz- oder um einen Ablösungskonflikt handelt, müssten zur Lösung dieses Konflikts vom Vorgesetzten ganz unterschiedliche Strategien überlegt und eingeschlagen werden.

Literatur:    Schwarz, „Die Heilige Ordnung der Männer“, VS Verlag, 2007, 5. Auflage
Schwarz, „Konfliktmanagement“, Gabler-Verlag, 2009, 8.Auflage

(5) Die „Heilige Ordnung“ der Männer

ist eine Übersetzung des griechischen Wortes „Hierarchie“ – „hieros“ heißt heilig und „arche“ heißt ordnen, man könne das Wort „arche“ auch mit Prinzip, Anfang oder Herrschaft übersetzen.

Erläutert wird zunächst die Entstehungsgeschichte der Hierarchie aus dem Sesshaftwerden der Menschen, dem Produzieren von Überschuss und sein Austausch an zentralen Orten. Diese frühen Kulturgebilde sind aber durch den Einfall der Jäger immer wieder zugrunde gegangen, bis sie in der Lage waren, sich zu verteidigen. Mit der Entwicklung von Militär, Beamtenhierarchien und Bauern, die am Existenzminimum lebten, von denen der Überschuss zur Kulturentwicklung abgeschöpft wurde, entstand aber ein neues Prinzip der Ordnung, nämlich das Pyramidenmodell und die Einteilung der Menschen in Obertanen und Untertanen.

Dieses vor 5000 bis 10000 Jahren erfundene Modell funktioniert noch heute. Die Zentralisierung der Entscheidung, die Wahrheits-Zentralisierung, die Weisheits-Zentralisierung und die Macht-Zentralisierung sind Prinzipien.

In der Gegenwart erleben wir eine Krise dieser Hierarchie, weil es z.B. für die Zentralperson oder „Gottsöbersten“ nicht mehr möglich ist, alle Funktionen, die er erfüllen müsste, tatsächlich zu erfüllen. Das Fachwissen etwa setzt viel weiter unten an, manchmal sogar ganz unten, so, wenn es sich um Kundenkontakte handelt. Damit treten zu den Prinzipien der Hierarchie Widersprüche auf. Außerdem müssen viele Probleme heute durch dezentrale Vernetzung gelöst werden.

Zum Abschluss wird dargestellt, welche Möglichkeiten der Weiterentwicklung Hierarchien haben. Diese liegen im Wesentlichen darin, eine immer größere Anzahl von Personen in die Entscheidungsfindung mit einzubeziehen. Ich definiere daher auch ein soziales System als um so besser ( = fortschrittlicher = besser funktionierend), je mehr in dem System organisierte Menschen diesem System von sich aus zustimmen können. Ein System ist um so schlechter, je mehr es sich gegen die Bedürfnisse, Wünsche, der in ihm organisierten Menschen richtet.

Nicht möglich ist meiner Meinung nach der Ersatz der Hierarchie durch andere Formen des Zusammenlebens, wie etwa die alte Stammeskultur, weil damit der Fortschritt, den die Hierarchie gebracht hat, die Arbeitsteilung, rückgängig gemacht würde. Es ist die Illusion aller Anarchisten und Revolutionäre oder der Basisdemokratie, dass es möglich sei, alle Menschen über alle Probleme entscheiden zu lassen. Dies dürfte aber nicht funktionieren.

Literatur: Gerhard Schwarz, „Die Heilige Ordnung der Männer“, VS Verlag, 2007, 5.Auflage

(6) Die sieben Weltwunder der Antike

Damals wie heute ist Technik die Antwort. Wie aber lautet die Frage?
Monumentale technische Leistungen sind immer die Folge sozialer Revolutionen. Auf der anderen Seite beschleunigen sie natürlich dann soziale Revolutionen, die sich über die ganze Welt verbreiten.

Für welche sozialen Revolutionen stehen die sieben Weltwunder der Antike?

Pyramiden: Man ließ sie während der Überschwemmungszeit bauen, während die Menschen nicht auf den Feldern arbeiten konnten und bezahlte die Arbeiter („das ganze Volk“) mit den gelagerten Abgaben, die sie nach der Ernte entrichten mussten. Also ein Konjunkturausgleichsprogramm.

Zeustempel in Olympia: Sport statt Krieg war die revolutionäre Neuerung der Griechen. Die von Phidias geschaffene Zeusstatue wurde so modelliert, dass sie dem Geschmack der Allgemeinheit entsprach.

Artemistempel in Ephesos: Ephesos hieß die letzte Amazone, die an der Stelle, an der der Tempel ihr zu Ehren errichtet wurde, von Männerhorden ermordet worden war. Einige Jahrhunderte war der Tempel – der von Frauen verwaltet wurde – Pilgerstätte der mutterrechtlichen Reste im Mittelmeerbereich.

Mausoleum von Halikanass: Die erste große Bibliothek und ein Museum der Künste der Zeit. Die Schwester des Mausolos ließ alles sammeln, was damals bewahrenswert erschien, denn die Schrift (ein Museum) macht zwar Lebendiges tot, dafür erhält es Totes lebendig.

Die hängenden Gärten der Semiramis: Wie kann der Mensch durch Technik (Bewässerung von unten) sich auch in Wüstengegenden sein Dasein erhalten? Landwirtschaft als Beherrschen der Natur.

Koloss von Rhodos (Griechenland) und

Leuchtturm von Alexandrien (Ägypten): Schaffung einer Infrastrukur eines zentralen Staats für die Entwicklung der Wirtschaft und des Militärs. Leuchtturm = Kommunikationssystem zur See.

Welche technischen Entwicklungen der Gegenwart stehen für welche sozialen Revolutionen? Ein Ausblick in die Zukunft.

Literatur: Gerhard Schwarz: „Die Heilige Ordnung der Männer“, VS Verlag, 2007, 5.Auflage

(7) Die „Trialektik“ des Geldes

Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass Sie reich werden, wenn Sie diesen Vortrag hören. Ich bin selber nicht reich. Für Reichtum ist es offenbar zu wenig, eine gute Theorie über Geld zu haben. Vielleicht ist das sogar eine Kontraindikation: die einen haben das Geld und die anderen die Theorie dazu.

Auf der anderen Seite kann man in unserer Welt immer weniger erfolgreich sein ohne eine brauchbare Theorie. Der Kapitalismus überhaupt und speziell die derzeitige Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass immer mehr Kommunikationen ökonomisiert werden. Das bedeutet, dass das Geld eine immer wichtigere Rolle spielt.

Geld kann man nicht verstehen, ohne in Widersprüchen denken zu können. Es gibt keine Theorie, die alles erklärt. Aber ein Aspekt des Geldes ist sicher, dass jeder für sich privat, jedes Unternehmen und auch der Staat eine Balance halten muss zwischen den grundlegenden Widersprüchen des Geldes, die da sind:

1.    Geld ist Maßstab des Tausches. Als solches kann es sich nicht vermehren und  auch nicht besessen werden.
2.    Geld ist aber vermehrbares Kapital, als solches kann es nicht als Maßstab dienen und ebenfalls nicht besessen werden.
3.    Geld ist Eigentum, als solches kann es wieder nicht als Maßstab dienen und auch nicht als Kapital Verwendung finden.


Geld als
Maßstab
Realmärkte

Geld als            Geld als Kapital
Eigentum            Finanzmärkte



Zwischen diesen drei Dimensionen bestehen sowohl Widersprüche als auch ergänzen sie einander zum komplexen Phänomen Geld. Was nützt es, wenn man diese Balance kennt? Immerhin, wenn Sie sie nicht kennen und „out of balance“ geraten, könnte ziemlicher Schaden entstehen.

Literatur:

Gerhard Schwarz, „Konfliktmanagement“, Gabler-Verlag, 2009, 8. Auflage
Gerhard Schwarz, Manuskript: Trialektik des Geldes

(8) Führen mit Humor

In letzter Zeit wird sehr viel über die heilende Kraft des Lachens diskutiert. Schon die alten Griechen wussten, dass es notwendig ist, nach einer Tragödie auch wieder eine Komödie oder ein Satyrspiel aufzuführen.

Lachen und Weinen sind spezifisch menschliche Verhaltensweisen, die sich bei Tieren nicht oder nur ansatzweise finden. Unter den vielen Formen des Lachens hat der Humor eine herausragende Bedeutung, er unterscheidet sich nämlich von den anderen, wie Zynismus, Sarkasmus, Hohn, Spott, Ironie und so weiter dadurch, dass bei ihm die Abwertung des anderen nicht auf die Spitze getrieben wird. Humor hat also unter den Formen des Komischen die Liebe mit dabei. Auf der anderen Seite hat auch die Liebe etwas mit Humor zu tun. Man überlege sich nur, wie penetrant eine humorlose Liebe wäre.

Welche Formen des Lachens eignen sich für welche Interventionen? Die WHO hat 2000 den Welttag des Lachens eingeführt, weil neben den in der Geschichte immer wieder reflektierten destruktiven Bedeutungen des Lachens in der Gegenwart auch die konstruktiven Seiten gesehen werden. 

Daher „heilt“ Lachen. Es verhindert sowohl das Abgleiten in die krankmachende Depression als auch das „Abheben“ in eine realitätsfremde Selbstüberschätzung. Gesund kann ein Mensch daher nur – wie schon Aristoteles gesagt hat – in einer gesunden Sozialstruktur sein. „Es kann der Beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“

Daraus folgt die Paradoxie: Wer etwas ernst meint, muss es mit einem lachenden Auge sagen – nur der Humor kann ernst genommen werden.

Humor ist aber trainierbar. Wem es gelingt, die Lacher auf seiner Seite zu haben ohne dass dabei ein anderer verletzt wird, der hat auf jeden Fall gewonnen.

Wie Sie Humor trainieren, erfahren Sie in diesem Vortrag.

(9) Konfliktmanagement

Konflikte teile ich ein in notwendige Konflikte und in Pannen. Pannen sollten im zwischenmenschlichen Zusammenleben möglichst vermieden werden, notwendige Konflikte aber gehören gepflegt und weiterentwickelt.

Zu den notwendigen Konflikten gehören all jene, in denen von verschiedenen Sichtweisen, etwa einmal aus der Sicht der Finanz, dann wieder aus der Sicht des Einkaufs oder Verkaufs unterschiedliche Positionen bezogen werden, die Wahrheit aber erst aus der Auseinandersetzung dieser einzelnen differenzierten Standpunkte resultiert. Der Versuch, Konflikte hier zu vermeiden, etwa durch Dominanz eines der Aspekte über die anderen, führt immer zu mangelnder Realitätsanpassung der betreffenden Organisation.

Das Austragen von Konflikten, die immer noch in vielen Organisationen stiefmütterlich behandelt werden, ist somit ein wichtiger Realitätsbezug, der nicht ungestraft vernachlässigt werden kann.

Im folgenden wird dann auf die Lösungen eingegangen. Es gibt hier eine Entwicklung über Flucht und Kampf zu Delegation, Kompromiss und Konsens. Die einzelnen Vor- und Nachteile der Konfliktlösungen werden erläutert, sowie wann eine bestimmte Konfliktlösung jeweils am sinnvollsten ist.

Um Konflikte zu verstehen, muss man auch über unsere Logik hinaus denken. So hindert etwa das zweite Axiom unserer Logik: „von zwei einander widersprechenden Aussagen ist mindestens eine falsch“, den Menschen daran, Konflikte wirklich zu verstehen. Was tut man, wenn beide Konfliktparteien (irgendwie) recht haben?

Um in Konflikten erfolgreich intervenieren zu können, muss man vorher eine richtige Diagnose stellen, z.B. auf welcher „Ebene“ sich der Kern des Konflikts befindet. Ist es ein Paarkonflikt oder ein Dreieckskonflikt? Ist es ein Gruppen- oder ein Organisationskonflikt? Da Konflikte fast immer (zumindest auch) die emotionale Ebene betreffen, sind Interventionen im Bereich des „Irrationalen“ notwendig. Mit welchen Regeln man hier zu tun hat – es sind andere als für den Verstandesbereich – wird erläutert.

Zu diesem Thema biete ich auch ein Seminar in der Dauer zwischen 3-5 Tagen an. Dabei wird die Analyse von Konflikten geübt und  erfolgreiche Interventionen bzw Lösungen erarbeitet.

 

Literatur:

Gerhard Schwarz, „Konfliktmanagement“, Gabler-Verlag, 2009, 8. Auflage
Pesendorfer-Schwarz, „Denkstoff“, Eigenverlag, 1997

(10) Logik und Dialektik

Es ist eines der großen Probleme europäischer Tradition, insbesondere seit der Neuzeit und vor allem seit dem 19. Jahrhundert, dass wir auf ein bestimmtes logisches System eingeschworen sind und andere Logiken nicht akzeptieren können.

So verlangt etwa unsere Logik im Satz vom zu vermeidenden Widerspruch, dass von zwei einander widersprechenden Aussagen mindestens eine falsch ist. Dies bezieht sich aber nur auf rationale Aspekte. Im emotionalen und irrationalen Bereich gilt auch die Tatsache, dass Gefühle z.B. ambivalent sind, d.h. dass bei Widersprüchen sehr wohl beide Kontrapunkte des Widerspruchs ihre Berechtigung, ihren Sinn und auch ihre Richtigkeit haben.

Dies führt zur Erweiterung unserer Logik - hier werden viele Beispiele aus anderen Kulturen gebracht - und mit Hilfe dieser erweiterten Logik ist ein wesentlich besseres Verständnis unserer Umwelt, insbesondere aber der zwischenmenschlichen Beziehungen möglich als mit der eingeschränkten Logik des rationalen Denkbereiches.

In der Gegenwart – so lautet meine These – wird die Anzahl der Situationen, in denen ein Manager mit seiner Logik auskommt, immer kleiner. Viel häufiger steht er vor Situationen, in denen er irrationale Prozesse steuern soll. Emotionen und Interessen, Konflikte und Intrigen, Gerüchte und Vorurteile bilden einen Hexenkessel von „unsachlichen“ Aspekten, deren Bewältigung aber über Erfolg und Misserfolg entscheidet. Wie man sich hier dennoch mit neuen Methoden zurechtfindet, wird systematisch und an vielen Beispielen erläutert.

Eine davon ist eine in der Geschichte sehr erfolgreiche Methode, die unter dem Namen „Dialektik“ in Europa seit den Griechen sehr erfolgreich angewandt wird. Besonders in Konfliktsituationen, aber auch für Entwicklungsprozesse in Organisationen oder für Produktwidersprüche kann diese Methode Verwendung finden.

 

Literatur: 

Gerhard Schwarz, „Die Heilige Ordnung der Männer“, VS Verlag, 2007, 5.Auflage

Gerhard Schwarz, „Konfliktmanagement“, Gabler-Verlag, 2009, 8. Auflage
Heintel/Schwarz/Stattler/Weyrer, „Gruppendynamik – Geschichte und Zukunft“, WEV-Verlag, 1997, 2. Auflage
Gerhard Schwarz, „Raum und Zeit als naturphilosophisches Problem“, vergriffen

(11) Mehrdimensionale Ursachenforschung

Diese von mir entwickelte neue Methode der Motivforschung legt die Fundamente der Analyse des Produktes wesentlich tiefer als herkömmliche Marktforschung.

Ich habe herausgefunden, dass fast in jedem Produkt Widersprüche stecken, deren Kenntnis sowohl für eine sinnvolle Produktgestaltung, als auch für  eine richtige Marketingstrategie absolut unerlässlich ist. Bei vielen Motiven ist die Ambivalenz sehr deutlich und die Werbe- oder Marketingmaßnahmen nehmen auf diese Ambivalenz Einfluss.

Die in jedem Produkt enthaltenen Widersprüche stellen auch ein philosophisches Problem dar, da man verschiedene Denkmodelle zum Verständnis von menschlichen Handlungen miteinander vergleichen muss.

In diesem Vortrag stelle ich anhand einiger Beispiele, wie der Forschung über Versicherung, auch dar, dass bei der Analyse solcher Produkte neue unbekannte Dimensionen zu Tage getreten sind, die meistens auch zu einer Umstrukturierung des Verkaufs, des Marketings, manchmal aber auch sogar der Produktgestaltung geführt haben und natürlich für den Verwender der Produkte sehr interessant sind.

Die Widersprüche, die in einem Produkt enthalten sind, treten meist als Konflikte innerhalb der Organisationen auf, die diese Produkte erzeugen oder verteilen. Diese Konflikte sind notwendig und können nicht beseitigt werden.

Die Analyse der (widersprüchlichen) Bedeutung eines Produktes geht daher meist parallel mit der Erstellung einer Art „Röntgenbildes“ einer Organisation. Man kann mit Hilfe eines solchen „Röntgenbildes“ die notwendigen Konflikte von Pannen unterscheiden.

 

Literatur:

Gerhard Schwarz, „Die Heilige Ordnung der Männer“, VS Verlag, 2007, 5.Auflage

Gerhard Schwarz, „Röntgenbilder“, Aufsatz
Gerhard Schwarz, „Erläuterungen zur Mehrdimensionalen Ursachenforschung“, Manuskript Aufsatz
Gerhard Schwarz, „Erfahrungen bez. Organisationsentwicklung und Mehrdimensionaler Ursachenforschung“, Aufsatz
Gerhard Schwarz, „Anthropologie des Fernsehens“

Gerhard Schwarz, „Konfliktmanagement“, Gabler-Verlag, 2009, 8. Auflage

(12) Neandertal lässt grüssen

Archaische Muster
„Scheiß drauf“



Ob die Neandertaler zu unseren  Vorfahren zählen, ist als Frage noch offen. Da aber alle heute  lebenden Menschen von Vorfahren abstammen, die mindestens das zeugungsfähige Alter erreicht haben müssen, geht die Kette der Evolution weit zurück. Die Zeit, in der unsere Vorfahren in der Steinzeit aber schon mit der uns heute verfügbaren Gehirn- und Nervenorganisation gelebt haben, ist im Vergleich zur Zeit der Zivilisation sehr lang. Dabei haben sich viele Verhaltensmuster entwickelt, die heute oft nicht mehr so brauchbar sind wie früher. So etwa Aggressions- und Fluchtverhalten oder Rituale der Vitalfunktionen, z.B. Nahrungsaufnahme und –- abgabe als bestimmte Szenen, über die der moderne Zivilisationsmensch gelegentlich stolpert.

So  sind etwa die Zeitbeschleunigung und Raumverengung klassische Anlässe für Konflikte: ob Schreibtisch, Größe oder Lage des Zimmers, Teppiche, Vorhänge oder Dienstwagen, allenthalben rasten archaische Muster in der Gefühlswelt des homo sapiens von heute ein und treiben dort ihr Unwesen. Viele Menschen greifen sich dann an den Kopf und denken sich (oder sprechen es aus) „irrationales Verhalten“. Man kann dagegen nicht argumentieren.

Wenn man diese Muster aber versteht, kann man besser damit umgehen und – gelegentlich – sogar erfolgreich intervenieren. So etwa muss man sich nicht durch Fluchtverhalten  zum Opfer machen lassen oder durch ungeschicktes Verhalten zum Außenseiter. Man kann im Ranking auch erfolgreich sein ohne die Alpha-Position zu imitieren und aus einer unangenehmen Situation wieder herauskommen, indem man „den Spieß umdreht“.

Welche archaischen Muster welchen Sinn hatten und heute noch haben, wird in diesem Vortrag referiert.

(13) Organisationsdynamik

Im Vortrag über Organisationsdynamik werden die notwendigen Konflikte beschrieben, die daraus entstehen, dass verschiedene soziale Formationen miteinander in Konkurrenz stehen.

So stehen in Konkurrenz das Individuum und das Paar ‑ wer nur auf Individualität beharrt, stört eine Paarbeziehung, wer nur die Paarbeziehung will, stört Individualität. Das Paar und das Dreieck stehen ebenfalls in Konkurrenz zueinander. Jedes Paar stört eine Dreiecksbeziehung, jede Dreiecksbeziehung stört eine Paarbeziehung. Ebenso in Konkurrenz stehen Individuum, Paar und Dreieck einerseits und Gruppe andererseits. Die Gruppe reagiert auf Untergruppen, Cliquen, etc. mit Sanktionen und dem Druck, sich aufzulösen und der Gruppe anzuschließen.

Einen großen Widerspruch gibt es auch zwischen Gruppen und Organisationen. Gruppen schließen sich ab und sehen von sich aus keinen Grund, mit anderen Gruppen zu kooperieren und sich zu Organisationen weiterzuentwickeln. Die traditionelle Methode Gruppen zur Kooperation zu bringen, ist Zwang durch Hierarchie.

Jeder heute lebende Mitteleuropäer hat diese Widersprüche in sich und mit anderen auszutragen, denn jeder von uns will sowohl Individuum sein, als auch eine gute Paarbeziehung haben, als auch in Gruppen leben, als auch in Organisationen leben. Es wird individuelle Schwerpunkte geben, im Leben hat man aber die Fülle der daraus resultierenden Konflikte zu akzeptieren und nicht nur zu vermeiden.

Die Position eines Vorgesetzten ist daher zutreffend dadurch zu beschreiben, dass er am Schnittpunkt mehrerer Konfliktlinien steht, die er auszugleichen hat. Ich nenne dies das „System der organisierten Verräter“, weil er kaum auf Dauer nur eine Seite „verraten" kann. Erst die „Doppelverräter“ sind erfolgreich, die das „out of balance“ geratene System auf diese Weise aus der Krise führen.

 

Literatur:   

Schwarz, „Von der Gruppendynamik zur Organisationsentwicklung“, Aufsatz
Schwarz, „Konfliktmanagement“, Gabler-Verlag, 2009, 8. Auflage
Schwarz/Heintel/Stattler/Weyrer, „Gruppendynamik – Geschichte und Zukunft“, WU-Verlag, 1997, 2. Auflage

(14) Mythos Urknall

Es handelt sich hierbei um die Grundlagen unseres naturwissenschaftlichen Weltbildes, die im Augenblick in Frage gestellt werden.

Aristoteles hat uns auf die Wissenschafts-Schiene gesetzt, auf der wir heute noch fahren, nämlich den Raum als Ort anzusehen und die Zeit als Maß der Bewegung. Dieses Modell ist heute von der Relativitäts- und Quantentheorie her nicht mehr zu halten. Neue Modelle sind im Kommen.

Was sie für unser Weltbild bedeuten, welche Probleme und Schwierigkeiten auftreten, nachdem wir dieses Aristotelische Weltbild so lange differenziert haben, ist Hauptthema des Vortrags.

Zielgruppe sind insbesondere Naturwissenschaftler und Techniker oder an Naturwissenschaft und Technik interessierte Laien.

Techniker und Naturwissenschaftler haben heute – oft ohne dass sie es wollen – eine wichtige Führungsrolle in der Gesellschaft und in vielen Organisationen. Diese Führungsrolle nehmen sie hauptsächlich durch Vermittlung bestimmter Denkmodelle wahr. Die meisten Techniker und Naturwissenschaftler sind sich allerdings der Grenzen dieser Denkmodelle nicht bewusst und stoßen daher oft auf für sie unerklärlichen Widerstand.

Dieser Vortrag versucht eine Klarlegung der Grundlagen unseres naturwissenschaftlichen Weltbildes und damit gleichzeitig eine Darstellung der Grenzen dieses Weltbildes.

 

Literatur:   

Schwarz, „Philosophische Aspekte des Zeitproblems“
Schwarz, „Raum und Zeit als naturphilosophisches Problem“, WUV Verlag, 19922
Schwarz, „Mythos und Urknall“, Manuskript.

(15) Wettlauf der Gurus: Welche Religion hilft den Menschen besser?

Die Erlösungsreligionen sind zum Unterschied zu den Naturreligionen  Freiheitslehren.

Die Tatsache, dass Gott und Mensch eine Einheit darstellen heißt, dass der Mensch nicht mehr über sich eine letzte Instanz hat, die er sozusagen wie ein Kind fragen gehen muss, wenn er nicht weiß, was er tun soll, sondern er muss die Verantwortung selber übernehmen. In dieser Selbstbestimmung des Handelns – insbesondere in der Frage der Entscheidung von Gut und Böse, liegt die „Göttlichkeit“ des Menschen, schon des Menschen Jesus von Nazareth, von dem die christliche Dogmatik sagt, er sei „wahrer Gott und wahrer Mensch, vollkommen der Gottheit und vollkommen der Menschheit nach".

Im Mittelalter nannte man Gott ein „ens a se“, also ein Wesen, das aus sich heraus entscheidet, sich selbst bestimmt. Auch Buddha heißt – wörtlich übersetzt – „der zu sich selbst Erwachte“.

Mit dieser Selbstbestimmung des Handelns ist den Menschen eine größere Flexibilität in ihren Entscheidungen möglich geworden. Sie müssen sich nicht mehr starren Regeln unterwerfen. Der Nachteil dabei ist die Unsicherheit, die jede Freiheit mit sich bringt. Es gibt daher so manche Religionsgemeinschaft, die den Menschen eine höhere Sicherheit im Handeln geben will.

Gerade in der Gegenwart, in der im Osten so viel in Bewegung gekommen ist, müsste dieses Thema eigentlich von besonderer Aktualität sein.

 

Literatur:   

Schwarz, „Was Jesus wirklich sagte“, va bene 2007, 2. Auflage
Schwarz, „Was Augustinus wirklich sagte“, Molden 1969
Schwarz/Heintel/Stattler/Weyrer, „Gruppendynamik – Geschichte und Zukunft“, 
WU-Verlag, 1997, 2. Auflage

(16) Umbruch der Arbeitswelt

Alle großen Revolutionen in der Geschichte der Menschheit waren von Arbeitslosigkeit begleitet, weil sich der Begriff und Inhalt von Arbeit änderte. Der Übergang vom Jäger- und Sammlerdasein zu Ackerbau und Viehzucht (neolithische Revolution) hat für alle Menschen neue Tätigkeiten, neue Wertesysteme, neue Lohn- und Strafeprinzipien etc. gebracht. 80% der Jäger sind arbeitslos geworden, dafür brauchte man Bauern und Viehzüchter.

Die Revolution, in der wir gerade stehen (der Umbruch zur „Wissensgesellschaft“), ist vielleicht nicht so gravierend wie die neolithische Revolution, aber sie verlangt von uns einige Flexibilität. Und sie hat Ähnlichkeiten mit der neolithischen Revolution: wurde damals die Sklavenarbeit eingeführt (Jäger waren freie Menschen), so denken wir heute über die Abschaffung oder zumindest Modifizierung der Obertanen-Untertanen-Strukturen nach. Wurden seit damals immer größere Gebilde und Hierarchien geschaffen, werden heute viele Tätigkeiten wieder ausgelagert auf Selbständige, die in Netzwerken kooperieren.

Das hierarchische Ordnungsprinzip schlug sich auch im Denken nieder. Folgte man nur einem Menschen und gab es nur eine Wahrheit, so erleben wir heute eine pluralistische Gesellschaft, in der Widersprüche nicht eliminiert sondern beachtet werden müssen. Damit ist auch deutlich, worin die „Arbeit“ der Zukunft bestehen wird. Nicht mehr in der Sklavenarbeit, die von intelligenten Maschinen erledigt wird, sondern in – im weitesten Sinne – politischer Tätigkeit:

•    Konsensfindung
•    Konflikte bearbeiten
•    Lernen und Lernprozesse steuern
•    Vernetzung von Gruppen und Systemen
•    Organisation
•    Erfindungen
•    usw.

Wie aber stellen wir uns auf die zukünftige Arbeit ein? Kann Arbeitslosigkeit dadurch beseitigt werden, indem Lernprozesse mit Arbeitsprozessen abwechseln? Kann dadurch vielleicht auch die Krise des Bildungssystems überwunden werden?

(17) ARBEITSLOSIGKEIT: UNSER ERFOLG MACHT ARBEITSLOS!

(18) Versicherungsgesellschaft: Nachfolger der alten Opferpriester?

Angst hindert am Handeln und das ist gut so, sonst würden wir ständig viel zu hohe Risiken eingehen. Fünf Meter von oben hinunter gesehen erscheinen viel weiter als fünf Meter in der Ebene. Irgendwann dürften unsere Vorfahren in den Bäumen gelebt haben und sie wurden mit Hilfe der Angst vorsichtig.

Vielleicht stammt aus dieser Zeit oder ein wenig später auch noch die Einsicht, dass Angst auch wieder beseitigt werden kann, wenn man das Unglück, vor dem man sich fürchtet, absichtlich herbeiführt – natürlich in einer kleinen Dosis: das Opfer. Man opfert einen kleinen Teil des zu sichernden Gutes dem Schicksal (den Göttern), um den Rest unbeschwert verbrauchen zu können. Denn solange ich Angst habe, bin ich nicht handlungsfähig.

Diese psychohygienische Funktion übernahmen früher die Opferpriester. Sie überlisteten damit das Schicksal und stellten auch durch Einsammeln von Opfergaben so etwas wie einen ersten Risikoausgleich her. Wenn eine Gruppe in Not gekommen war, konnte sie aus dem Tempelschatz wieder Saatgut bekommen. Sie haben so längere Zeit ihre Überschüsse abgegeben.

Nachfolger der Opferpriester sind heute die Versicherungsgesellschaften. Sie verwalten immer noch das archaische Muster von Angst und ihre Bewältigung durch Opfer (Versicherungsprämien) und – im Schadensfall – durch Minimierung des Schadens in Form einer Zahlung.

Diese Art von Risikoausgleich, also die Kooperation von Gruppen, die im Prinzip nicht kooperieren würden (weil sie z. B. Konkurrenten sind), ist sicher maßgeblich am Aufstieg des homo sapiens und an der Entwicklung unseres Wirtschaftssystems beteiligt. Ohne Versicherungen würden viele schon zugrunde gegangen sein.

Wieso haben Versicherungen aber dann so einen schlechten Ruf? Wieso versuchen immer wieder Menschen sie zu betrügen? Weil sie die Illusion verkaufen, wer versichert ist, dem kann nichts passieren. Geht es auch ohne diese Illusion? Wie muss Versicherung dann organisiert werden?

(19) Gruppendynamik

Auf Grund meiner Habilitation für das Fach Gruppendynamik befasse ich mich sowohl theoretisch als auch praktisch mit der Bedeutung und Anwendbarkeit gruppendynamischer Prozessanalyse.

Zunächst wird in diesem Vortrag dargestellt, was man unter Gruppendynamik zu verstehen hat, nämlich die Analyse von Gruppenprozessen und ihre Steuerung. Dies sind zwei Voraussetzungen, über die heute Personen in Führungspositionen unbedingt verfügen müssen.

Neben der Befehlsausgabe und dem Treffen von Entscheidungen ist das Organisieren eines Entscheidungsprozesses, in den möglichst viele Menschen einbezogen werden, ein wichtiges Rüstzeug jeder Führungskraft.

Welchen Beitrag dazu die Gruppendynamik leisten kann, wird von mir ausführlich dargestellt.

Ihre wichtigste Bedeutung hat die Gruppendynamik aber in der Bearbeitung von Konflikten, die im Verlaufe der Weiterentwicklung von Sozialstrukturen auftreten. Macht, die nicht durch Vertrauen abgestützt ist, zeigt sich heute zunehmend als stumpf. Man hat Mitarbeiter, die zwar  "Ja“ sagen, aber im Zuge der Durchführung einer Anordnung, die sie nicht akzeptieren, „Nein“ tun. Mit Hilfe der Gruppendynamik kann der „Sand im Getriebe“ entfernt und sowohl Effizienz als auch Komfort einer Sozialstruktur erhöht werden.

In den von mir seit fast 40 Jahren erfolgreich angebotenen Seminaren werden zunächst zwei Gruppen gebildet und so angeordnet, dass eine Gruppe beobachtet, während die andere Gruppe arbeitet. Die Teilnehmer lernen auf diese Weise, Gruppenprozesse zu beobachten und zu diagnostizieren. Die Gruppen wechseln nach einer Stunde ihre Rollen, sodass beide Gruppen in den Genuss des Lerneffekts kommen. Viele Prozesse werden „von außen“, wenn man nicht beteiligt ist, besser gesehen und verstanden als „von innen“, wenn man  selbst Teil des  Geschehens ist. Im zweiten Teil wird auf die Steuerung von Gruppenprozessen Wert gelegt. Denn es nützt nichts, wenn man Prozesse zwar erkennt, aber sie nicht beeinflussen und steuern kann. Das Seminar dauert daher 5 Tage.

 

Literatur:    Schwarz, „Die Heilige Ordnung der Männer“, VS Verlag, 2007, 5.Auflage
Schwarz/Heintel/Stattler/Weyrer, „Gruppendynamik – Geschichte und Zukunft“, 
WU-Verlag, 1997, 2. Auflage

(20) Die zwei gegensätzlichen Systeme von „Beratung“

Welches Weltbild steckt eigentlich hinter den verschiedenen Forschungs- und Beratungsinstituten? Mit jeder Beratung kaufen sie das Weltbild mit. Sie sollten die Hintergründe kennen, bevor Sie einen Berater an die Veränderung von Sozialstrukturen heranlassen. Es gibt zwei große – und entgegengesetzte – Typen von sozialwissenschaftlichen Weltbildern:

Die Sozialtechnologen

Für sie ist jede Organisation wie eine große Maschine. Dahinter steht das Weltbild der Naturwissenschaft.  Mit quantitativen, messenden Methoden subsumieren sie eine bestimmte Sozialstruktur unter ein vorausgesetztes Schema – das laufend verbessert wird – und erarbeiten Maßnahmen zur Veränderung der Struktur.

Vorteil: 

  • meist letzter Stand der BWL-Erkenntnisse
  • anschauliche Grafiken
  • rational nachvollziehbare Prozesse und Strukturen

Nachteil:   

  • nur rational erfassbare Prozesse können verstanden werden, d.h
  • Emotionen, Konflikte, informelle Strukturen etc. werden nicht erfasst
  • vergewaltigt immer die vorhandene Organisation

Intervention:  nur mit Hilfe der Hierarchie möglich

Die qualitative Sozialforschung

Für sie ist eine Organisation eher wie ein lebendiger Organismus zu verstehen. Sie  machen qualitative Interviews, berücksichtigen Emotionen, die nach anderen Gesetzmäßigkeiten ablaufen wie rationale Prozesse.

Vorteil:  

  • sie bekommen auch die informellen Strukturen analysiert
  • Interventionen werden auch auf der Ebene der Emotionen möglich
  • sie haben einen höheren Zustimmungsgrad bei den Mitarbeitern
  • es werden kollektive Lernprozesse eingeleitet

Nachteil:   

  • es dauert viel länger
  • es gibt keine eindeutig quantifizierbaren Ergebnisse
  • die Ergebnisse, die erzielt werden, lassen sich nicht genau bestimmen  und voraussagen

Intervention:   durch Rückkopplung

 

(21) Zeitbeschleunigung oder DER KLUGE UMGANG MIT DER ZEIT

„Pole pole watamu“, sagen die Afrikaner zu den Weißen. Auf deutsch: „Langsam, langsam weißer Mann“... Und wenn sich Afrikaner immer schön langsam bewegen, wieso sind sie dann bei den Olympiaden Sieger im Schnelllaufen? Weil Weiße nicht so schnell sind, sondern hektisch, sagen die Afrikaner. Ob sie recht haben?

Jedenfalls scheint es zumindest wert nachzudenken, wo die Beschleunigung der Zeit Sinn macht und wo nicht.

Sinn macht es sicher, wenn unangenehme Arbeit schnell erledigt wird und womöglich von jemand anderem. Dann hat man selber mehr Zeit. Aber um die zu nutzen, müsste man aus dem Konkurrenzdruck herauskommen und nicht in die frei gewordene Zeit wieder Arbeit hineinstopfen.

Zeit und übrigens auch Raum (wer macht was, wann und wo) führen also direkt in unseren Arbeitsbegriff, der sich gerade im Wandel befindet. Wohin wandelt er sich? Raum- und Zeitstrukturierung, die bisher fremdbestimmt waren (auch und gerade für hohe Funktionäre der Hierarchie) gehen zunehmend in die Eigenverfügbarkeit des Menschen über. Damit gewinnen alle Überlegungen Sinn, die darauf hinauslaufen, für jede Tätigkeit den richtigen Zeitpunkt zu finden. Dies ist

  • effizienter: man braucht weniger Energie um mehr zu erreichen
  • billiger: man schafft in weniger Zeit mehr (time is money)
  • gesünder: man lebt nicht gegen den eigenen Körper
  • motivierender: viel Sand im Getriebe entsteht durch Kampf gegen die Windmühlen des Widerstands
  • humorvoller: Zeit für Lachen ist gut genutzte Zeit, Entspannung gehört zur Spannung so wie Dunkelheit zum Licht
  • usw.


Nach Goethe holt uns der Teufel, wenn wir zum Augenblicke sagen „verweile doch du bist so schön“... Aber auch wenn Goethe recht hat, so schnell erreichen wir dieses Ziel nicht, aber vielleicht ein paar Schritte in diese Richtung. Wie diese gemacht werden können, verrät Ihnen dieser Vortrag.

(22) Zur Philosophie der Liebe und Sexualität

Ich habe mehrere Semester an den Universitäten Wien und Klagenfurt einen Vorlesungszyklus über die Philosophie der Liebe und Sexualität gehalten.

Erörtert wird die Entwicklung des Patriarchats, die von einigen Wissenschaftlern bestrittene, aber von mir als sicher angenommene vorpatriarchalische mutterrechtliche Zeitepoche, wie es zum Übergang kam und insbesondere, wie sich die Mann-Frau-Dialektik in den verschiedenen Bereichen (Liebe, Sexualität, Familie, Ehe, etc.) heute darstellt und wie ich vermute, dass sie sich in Zukunft weiterentwickeln wird.

Denn nach dem (zumindest teilweise) Ende des Patriarchats kommen die archaischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen wieder deutlicher heraus. Dabei zeit sich, dass das so genannte „starke Geschlecht“ nicht überall wirklich stark ist. Wo liegen bei welchem Geschlecht die Stärken und wo die Schwächen?

Ein Thema, das mit der zunehmenden Anzahl von Frauen, die in den Arbeitsprozess einsteigen, heute für niemanden mehr vermieden werden kann. Die Pros und Kontras, die traditionelle Diskussion dazu, werden in diesem Vortrag in Ansätzen erläutert.

(23) Führen im Team

Die Menschen lebten früher in Stammesverbänden und zogen durch die Warmzonen der Erde, meistens als Jäger und Sammler. Mit dem Sesshaftwerden mussten sie etwas Neues lernen: Über Stammesgrenzen hinweg kooperieren, um arbeitsteilig arbeiten zu können. Diese Kooperationsleistung wurde nicht freiwillig erbracht. Erfolgreich war sie erst, als Zentren mit militärischer Gewalt die Menschen zur Kooperation zwangen. Es entstand die Hierarchie.

Die Hierarchie funktioniert allerdings nach völlig anderen Gesetzmäßigkeiten als die kleine Gruppe. Hier wird arbeitsteilig vorgegangen, der Vorgesetzte weiß grundsätzlich mehr als der Mitarbeiter, man hat Misstrauern den Kollegen gegenüber und bessere Beziehungen zu den Chefs oder Zentralpersonen; mit zunehmender Höhe der Hierarchie werden die Menschen gescheiter, weiser, mächtiger; oben wird Omnipotenz, Allmächtigkeit, Allwissenheit etc. vermutet.

Dabei verlernen wir im Zuge der Anpassung an die Hierarchie, an das hierarchische System, die Kooperation in Gruppen. Nicht einmal in den Herkunftsgruppen, nämlich in den Familien, lernen wir noch echte Gemeinsamkeit, zum Beispiel gemeinsame Entscheidungen zu treffen.

Teamtraining ist ein Versuch, dieses alte Wissen auf neuer Basis wieder zu entwickeln und wie immer geschieht das dadurch, dass man auf die Zusammenhänge reflektiert, nachdenkt, wie kooperieren wir eigentlich? Warum hat der eine mehr Einfluss als der andere? Welche Funktionen für die Gruppe kann wer wahrnehmen? Mit diesen Fähigkeiten im Team zu arbeiten lernen wir etwas, nämlich in zwei, zum Teil einander widersprechenden Systemen gleichzeitig zu existieren:

  • Wir müssen uns nach wie vor in Hierarchien bewähren und uns an die Regeln der Hierarchie anpassen und
  • wir müssen im Team arbeiten und uns an die Regeln des Teams halten.



Eine ziemliche Weile noch wird von uns verlangt werden, beide Seelen in der Brust zu haben und beide Fähigkeiten zu aktivieren, auch dann, wenn hier unterschiedliche oder sogar gegensätzliche Regeln gelten sollten.

 

Literatur:   

Schwarz, „Die Heilige Ordnung der Männer“, Westdeutscher Verlag, 20003
Heintel/Schwarz/Stattler/Weyrer, „Gruppendynamik – Geschichte und Zukunft“, WEV-Verlag, 19972

(24) Erfüllen Produkte wirklich nur Bedürfnisse?

Welches Produkt erzeugen und verkaufen Sie? Was auch immer: Sie handeln mit einem Widerspruch. Denn Produkte sind so wie Bedürfnisse ich sich widersprüchlich. Diese Produktwidersprüche zeigen sich in den Unternehmen oder Organisationen, die sie verkaufen, als Konflikte.

So erzeugt beispielsweise ein Kredit auf der einen Seite Schuldgefühle beim Kreditnehmer (er ist der Bank etwas schuldig), auf der anderen Seite verbessert er seine Arbeits- oder Lebensbedingungen. Die Seite der Schuldgefühle im Menschen sagt ihm sozusagen als „Geldgewisssen“, sich möglichst wenig zu verschulden. Die Seite der Produktivität oder der Lebenslust will möglichst schnell möglichst viel Geld, um die notwendige Investition tätigen zu können. Das Produkt Geld und speziell das Produkt Kredit ist in sich widersprüchlich.

Diesen Widerspruch finden wir nun in der Bank als Konflikt wieder. Die einen (Kreditabteilung) müssen sehen, das sie möglichst viele Kredit verkaufen, um dafür die Zinsen zu bekommen. Die anderen (Kreditüberwachung) müssen sehen, dass dabei das Risiko minimiert wird. Dieser Konflikt muss bei jedem Kredit neu ausgetragen werden. Ihn zu beseitigen wäre das Ende des Kreditgeschäfts. Gibt man überhaupt keinen Kredit mehr, ist es genau so unsinnig wie wenn man jedem immer Kredit gibt, auch gegen die wirtschaftliche Vernunft.

Ähnlich – notwendige – Konflikte können wir übrigens in verschiedenen Ländern anlässlich diverser Sparpakete beobachten. Kostenexplosion versus Kaputtsparen heißt der Konflikt hier. In vielen Organisationen sind die beiden Seiten eines solchen Widerspruchs nicht gleichmäßig  entwickelt. Meist dominiert eine Seite über die andere. Organisationsentwicklung heißt in diesem Fall (natürlich unter anderem) die Balance wieder herzustellen.

 

Literatur:   

Schwarz, „Konfliktmanagement“, Gabler-Verlag, 20015
Schwarz, Guido: „Qualität statt Quantität – Motivforschung im 21. Jahrhundert“; 
Verlag Leske&Budrich, 2000

(25) Auf Achse daheim – Mobilität und Sesshaftigkeit

Zur Philosophie des Autos

Den Gegensatz zwischen Sesshaften und Nomaden gibt es bereits seit der neolithischen Revolution, seit dem Ende der Altsteinzeit, als die Menschen begannen, Ackerbau und Viehzucht zu treiben und jeweils gegen die anderen um ihre neuere oder ältere Lebensform kämpfen mussten. Für den Nomaden ist das Leben die unendliche Weite und das Wandern, für den Sesshaften ist es am schönsten zu Hause. Nun gibt es in der Gegenwart eine Möglichkeit, die beiden gegensätzlichen Träume in einem zu verwirklichen. Die ist das Auto. Das Auto ist eine Art mitführbarer Wohnraum, es schützt mich gegen die Umwelt und gibt – wenn auch sehr eingeschränkt – so etwas wie ein Heimgefühl, auf der anderen Seite ist diese Wohnung aber unterwegs und gibt mir auch das Gefühl der unendlichen Weite, sogar dann, wenn ich im Stau stecke.

Zu verschiedenen Zeiten im Laufe des Jahres, aber auch im Laufe des Lebens, vielleicht sogar im Laufe des Tages möchte ich das widersprüchliche Verhältnis von Mobilität und Sesshaftigkeit neu ein- und auspendeln. Es ist ganz angenehm, von zu Hause wegzukommen und nicht sofort – sozusagen Tür auf, Tür zu – am Arbeitsplatz zu landen. Unter Umständen habe ich dort völlig andere Probleme und soziale Strukturen. Es ist ganz angenehm, umgekehrt wieder dem Arbeitsplatz den Rücken zu kehren und nicht sofort in der Familie zu landen. Denn hier gibt es zu unterschiedliche Anforderungen an mich. Dazwischen gibt es eine Zeit der Mobilität, des Wanderns, des Fahrens von einem Ort zum anderen und die Erfahrung, die ich dabei mache kommt vom Fahren im Auto, dem mitführbaren Wohnraum.

Das Auto verbindet aber noch andere Gegensätze: Sicherheit und Gefahr, Sitzen und doch schnell sein, ohnmächtig und mächtig sein usw.

(26) Was ist Schönheit bei Mann und Frau?

„Die schöne Frau“ ist ein komplexeres Thema als „der schöne Mann“. Dies hängt mit der Stammesgeschichte zusammen. Durch das größere Gehirn kamen die Kinder mit dem Kopf nicht mehr durch den Gebärkanal der Frauen. Um das dennoch zu schaffen, entwickelte die Natur zwei Strategien: 1. ein breiteres Becken der Frau, 
2. eine frühere Geburt der Kinder (Neotenie). Durch die frühere Geburt waren die Kinder aber länger hilflos und abhängig. Diese Situation bewältigte die Frau nicht mehr allein, sondern auch der Man musste eingebunden werden. Dazu gab es eine Individualisierung der Bindung von Mann und Frau.

Sexualität wurde erweitert vom Kinderzeugen zur Lust und Bindung

 

  • Verlust des Haarkleides
  • Haut als Sexualorgan
  • Entwicklung von Orgasmus
  • Koitus von vorne (bei den Affen nur von hinten)
  • jahreszeitliche Hitzeperiode das ganze Jahr
  • Verschwinden der unspezifischen Duftauslöser zu optischen 
und taktilen Auslösern
  • Brust (Nahrungsquelle der Kinder) wird zum Sexualorgan
  • usw.


Das breite Becken der Frau und die große Brust entwickelten sich als Attraktion für den Mann. Der Preis: eine Infantilisierung des Mannes:

 

  • er interessiert sich noch als Erwachsener für die Nahrungsquelle der Kinder
  • Küssen kommt vom Atzen
  • Diminutive (Hasi, Putzi, Mausi, Schatzi)
  • usw.


Um dieser Infantilisierung zu entkommen, entwickelte der Mann die (Jagd)gang. Also der Zusammenschluss der Männer. Diese Jagdgang wurde dann via Krieg (und Verteidigung) zum wichtigsten Instrument des Patriarchats.
Männer lieben Knaben (ohne breites Becken und Popo, ohne großen Busen). Die Geschlechterdifferenz (Mann – Frau) wird innerhalb eines Geschlechts zu alt – jung (Knabenliebe).

Wenn jetzt Frauen versuchen, sich diesem männlichen Schönheitsideal anzunähern, werden sie krank und unglücklich. Sie können es nie erreichen. Als Mütter brauchen sie nicht Muskeln, sondern Fett, ein breites Becken, einen großen Busen. Männer, die sich vor „Müttern“ fürchten (weil sie stärker sind in Sexualität, Dominanz, Reife usw.) bevorzugen daher knabenhafte Frauen.

Die interessanteste Definition der Schönheit gab es etwa im Mittelalter: die Harmonie von Körper und Seele wirkt schön.

(27) Ethik in Massenmedien und Wirtschaft

Moralische Normen brauchen die Menschen immer dann, wenn die von der Natur vorgesehenen Verhaltensweisen nicht mehr brauchbar sind. So ist es etwa von der Natur vorgesehen, dass der Stärkere dem Schwächeren – mit Gewalt – sein Essen wegnimmt. Das hat den (evolutiven) Vorteil, dass der Schwächere verhungert und damit keine Gelegenheit hat, seine (schwächeren) Gene an Nachkommen weiterzugeben, so funktioniert die Evolution. Die Menschen kamen irgendwann überein, innerhalb einer Gruppe den Schwächeren zu schützen und setzten als Gebot fest: „Du sollst nicht stehlen“... Da es sich gegen die Natur richtete, muss die Einhaltung des Gebotes mit Gewalt durchgesetzt werden (Polizei). Versagen diese zivilisatorischen Ordnungsprinzipien (z.B. in Kriegen), setzt sich wieder die (natürliche) Rangordnung des Stärkeren durch.

Gewalt und Ordnungs(gegen)gewalt ist somit ein notwendiges Element des menschlichen Verhaltens. Die Massenmedien zu allen Zeiten (von den Priester-Versammlungen im Tempel über den trommelnden Herold des Königs, die Inschriftentafel des Hamurabi, die Versammlungen in Kirchen bis zum TV) hatten die Aufgabe, das – natürlich immer komplexer werdende – Normensystem den Menschen zu übermitteln und die Sanktionen für die Nichteinhaltung bekannt zu geben.

Die kapitalistische Wirtschaft reaktiviert zum Teil die archaischen Muster von der Art: der Stärkere frisst den Schwächeren. Welche Chancen haben hier etliche Normen? Welche sind für Medien und wirtschaftliches Handeln heute und in Zukunft sinnvoll?

(28) Fernsehen und virtuelle Realität

Ich habe in meiner Forschung für den ORF anlässlich des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums eine Entwicklung insbesondere der medialen Reife dargestellt und gezeigt, welche Probleme und Hintergründe der Umgang mit Massenmedien, speziell mit dem Fernsehen als Medium hat.

Das Fernsehen als Nachfolger des alten Zauberspiegels hat alle Nachteile des Lebens aus zweiter Hand: Passivität, Kommunikationsstörung, keine Antwort vom Gegenüber. Auf der anderen Seite aber bringt der Zauberspiegel die Welt in das Leben herein. Man sieht und hört und erlebt mehr mit als man im Leben sonst sehen, hören und erleben kann.

Die Einseitigkeit des Fernsehens führt dazu, dass der Mensch die Ohnmachts-Allmachts-Dialektik handhaben lernen muss. Dabei treten ähnliche Stadien auf wie in der Entwicklung des einzelnen Menschen, nämlich Abhängigkeit, Widerstand gegen Autorität (Gegenabhängigkeit) und freie Entscheidungsmöglichkeit (Interdependenz).


Medien gewinnen zunehmend auch politische Bedeutung. Das Fernsehen mit seinen Bildern wirkt auf einer unbewussten Ebene viel stärker als Rundfunk oder Printmedien, weil es ohne Abstraktion der Schrift auskommt.

Man versucht nun heute Fernsehen interaktiv zu machen. Es wird dadurch immer mehr zum Versuch – ungefährdet – bei der Realität dabei zu sein. Der Zusammenschluss von Telekommunikation (Handy, Telefon), Computer und TV wird neue Formen der gesellschaftlichen Realität entwickeln.

 

Literatur:    Schwarz, „Anthropologie des Fernsehens“

(29) Asian European Management & Coaching Congress

Keynote Speech 2014: Creativity, Innovation and Responsibility - A Paradox?

Bericht in den chinesischen Nachrichten - Video

Bericht Kaixian TV
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